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Meine letzten Wochen auf Martinique

Hallo ihr Leseratten, eigentlich versuche ich mich in meinen Blogs kurzzufassen, was mir aber bisher kaum gelungen ist und mir diesmal keinesfalls gelingen wird, weil ich euch gern so viel wie möglich erzählen möchte. Die Zeit ist wie im Fluge verstrichen und ich hatte gestern bereits meinen letzten Praktikumstag. À propos, gerade befinde ich mich im Flugzeug von Barbados über Grenada nach Trinidad, aber meinen Blog werde ich wohl erst fertiggestellt haben, wenn ich wieder in Deutschland bin. Trotzdem möchte ich euch meine Erlebnisse der letzten Wochen nicht vorenthalten. Bevor mein Praktikum in der Herzchirurgie angefangen hat, haben wir zusammen mit den anderen PJlern bei Bernie und Jojo das Eröffnungsspiel geschaut. Ich gebe zu, dass dieses Fußball-Weltmeisterschafts-Fieber am Anfang recht gedrückt und ganz anders als sonst in Deutschland war, aber mit der Zeit immer mehr sowohl bei mir als auch bei den Einheimischen aufgeflammt ist. Abends gab's dann nach dem Sieg von Brasilien selbstgemachte Käsespätzle süddeutscher Art und ich habe sogar fleißig mithelfen können. Das Wochenende vor meinem neuen Praktikum war höchst erlebnisreich. Samstagmorgen haben Edith, Kerstin und ich unser "Baptême" (Schnuppertauchen) gemacht. Dazu sind wir mit einem Boot aufs Karibische Meer hinausgefahren, um an der Südwestküste Martiniques die Unterwasserwelt unsicher zu machen. Auf dem Boot gab es noch so einige nützliche Erklärungen (auf Französisch wohlbemerkt), was wir zu beachten hatten. Beim Tauchgang selbst wurden wir jeweils von einem Tauchlehrer begleitet. Der Druckausgleich ist mir recht gut gelungen, denn das war meine größte Sorge. Unter Wasser hatte ich sogar Zeit die Korallen und Fische zu genießen und war so begeistert davon, dass ich mit der Sauerstoffflasche so lange ein- und ausatmen konnte, verrückt! Während des Tauchgangs konnten wir keine Fotos machen, dafür aber danach beim Schnorcheln. Der Nachmittag war auch voller Action: Vom Anse Noir gestartet hat unsere PJler-Gruppe mit Kajaks zunächst eine Fledermaus-Höhle und dann eine kleine Insel kurz vor Martinique erkundet. Als Proviant waren stilgerecht frische Maracuja und Mango an Bord. Das Wetter war herrlich und die Wasserspritzer im Gesicht durch den Wellengang taten richtig gut. Der Sonntag wurde etwas ruhiger angegangen und am Strand von Les Salines im Süden von Martinique verbracht. So konnte ich mich noch etwas entspannen, bevor am Montag also mein zweites Praktikum losging. Das Praktikum in der Herz-, Thorax-, Gefäßchirurgie hat mir gut gefallen, wobei ich diesmal etwas weniger mithelfen konnte als in der Kinderchirurgie. Dennoch habe ich im OP assistiert und Visiten teilweise eigenständig durchgeführt und danach nochmal mit dem behandelden Arzt besprochen. Was die Thematik anging, habe ich viel mitnehmen können; die Herzchirurgie ist wirklich äußerst interessant! Mit den chirurgischen Kollegen hatte ich Glück, denn sie waren genauso WM-begeistert wie ich. So haben wir am ersten Arbeitstag das erste Deutschlandspiel gegen Portugal gemeinsam angesehen. Generell habe ich deren Sympathie gewinnen können, da ich immer auf dem neuesten Stand bezüglich der Spielergebnisse war. Zusammen haben wir noch das ein oder andere Fußballspiel mitverfolgt. Die letzten Wochen sind so schnell verstrichen und ich habe in so kurzer Zeit so viel erlebt, dass ich mich freue nochmal alles Revue passieren zu lassen. Inzwischen sitze ich am Flughafen von Port of Spain in Trinidad und warte auf den Check-in für meinen Flug nach Martinique. Gerade ist es 1h38h und mein Blog zu schreiben dient mir auch wach zu bleiben. Meine Rückreise wird ab diesem Moment an noch ganze 49 Stunden und 22 Minuten dauern, sofern ich am Sonntag nach Plan zuhause ankomme. Nun aber zurück zum Wesentlichen: Dienstags wurde fleißig unser Barbecue-Abend aufrechterhalten, der wie immer gut war und wir konnten immer mehr Leute davon begeistern. Diesmal gab's als Gemüsebeilage einen Bananengratin, sooo lecker! Und ja, das geheime Rezept haben wir auch bekommen, da uns die Besitzerin schon mit Namen kennt. Schnorcheln am Anse Noir stand eines späten Nachmittags auch auf dem Programm. Der Anse Noir, wie der Name schon sagt, hat puderartigen schwarzen Sandstrand. Eine Bucht weiter liegt im Kontrast dazu der Anse Dufour, ein Strand mit hellem Sand. Beim Kajakfahren am Samstag hatten wir einen tollen Blick vom Wasser auf die beiden unterschiedlichen Buchten. Am kommenden Samstag haben wir deutschen PJler und Mooti, ein PJler aus der Schweiz, das Fußballspiel Deutschland gegen Ghana bei uns am Strand angeschaut. Zugegebenermaßen viele Deutschlandfans neben uns gab es nicht, sodass ein 2:2 für beide Seiten auszuhalten war. Am Sonntag haben Edith und ich uns zu einer Bootstour zu den Delfinen vor Schoelcher entschlossen und wurden keineswegs enttäuscht; im Gegenteil, vom Wasser aus hatten wir eine gute Sicht auf die Küste von Martinique. Wir sind bei uns am Fähranleger gestartet und an Fort-de-France vorbei Richtung Schoelcher gecruist. Dort gab es auch eine große Delfinfamilie zu beobachten. Paar- und Gruppenweise sind sie vor uns hergehüpft. Als das Boot am Ende der Tour nochmal etwas beschleunigt hat, haben sich die Delfine darauf eingelassen mit uns zu spielen und ein paar Kunststücke zu machen. Da sie so schnell waren, war es schwierig dies auf Fotos festzuhalten, es ist mir dennoch ein paar Mal gelungen, aber schaut selbst! Delfine sind schon was tolles, die hätte ich den ganzen Tag beobachten können. Der Nachmittag wurde ruhig an unserem Strand angegangen (der erste Sonntag bei uns am Strand!), um abends fit für das Ti Sable zu sein. Im Ti Sable gibt es immer Livemusik und wir haben uns am Strand von den Zahnis ein neues Würfelspiel beibringen lassen. Diesen Dienstag haben wir unser Zahnipärchen und ein befreundetes Pärchen von unserem Barbecue-Abend begeistern können. Vorher haben wir sie aber - getreu der französischen Gastfreundlichkeit - zu einem kleinen Apéro mit Baguette-Ziegenkäse-Dattelhäppchen und Piña Colada-Likör zu uns eingeladen. Kommenden Donnerstag sind wir nach der Arbeit zusammen mit den deutschen PJlern nach Tartane im Osten von Martinique gefahren, um uns dort in einer Bäckerei das Spiel Deutschland gegen USA anzusehen. Und wie konnte es besser kaum sein: Deutschland hat gewonnen und wurde Gruppenerster. Somit höchst motiviert sind wir danach auf der Halbinsel wandern gewesen. Die Sonne war an diesem Tag besonders stark und ich war froh, meinen Sonnenhut dabei gehabt zu haben. Die Wanderung bot wunderschöne Aussichten auf die östliche Küste von Martinique. Zudem haben wir einen kleinen Mangrovenwald unsicher gemacht. Doch etwas erschöpft haben wir den Abend mit allen bei Bernie und Jojo ausklingen lassen. Dort hat Jojo für alle Mann Risotto gekocht, als Apératif gab es einen leckeren Kaffeelikör. Am nächsten Morgen musste ich leider früh aufstehen und habe es irgendwie geschafft, den Bus in die falsche Richtung zu nehmen. So habe ich schon am Morgen eine einstündige Sightseing-Tour durch Schoelcher gemacht, was ich richtig genossen habe. Letztlich ist es den Ärzten nicht mal aufgefallen, dass ich zu spät zur Arbeit kam; im Gegenteil, sie waren positiv überrascht, dass ich schon in OP-Kleidung auf Station angekommen bin. Der kommende Abend ging weniger ruhig weiter. Unsere Zahnis haben uns zum "Fête de la musique" in Schoelcher mitgenommen. Überall sind kleine Gruppen aufgetreten und Drum Bands haben sowohl mit ihrer Musik als auch mit Tanz und Outfit für gute Stimmung gesorgt. Dieses Wochenende war anders als alle anderen, denn diesmal fand ein Fest an unserem Strand l'Ânse à l'Âne statt. Unter anderen gab es ein Beachvolleyball-Tunier, an dem ich zwar mit viel Spaß aber erfolglos teilgenommen habe. Für die Spieler gab's den ganzen Tag gratis Getränke, ein Mittagessen und ein Trikot vom Volleyball-Team aus Trois Îlets. Am Abend bin ich zu Doris, einer Deutschen, gefahren, um am nächsten Morgen mit ihr und ein paar Leuten aus ihrem Wohnheim den Mont Pélée zu erklimmen. Der Aufstieg war anstregender als zuvor angenommen und so waren wir umso stolzer, als wir oben angekommen den Krater dieses Vulkans bestauen konnten. Zwischendrin ist es etwas aufgeklart, sodass wir auf das Fischerdörfchen Prêcheur blicken konnten. Nachmittags wollte ich die Fähre zurück nach l'Ânse à l'Âne nehmen; die hat aber zwei Stündchen auf sich warten lassen. Witzigerweise habe ich aber ein paar französische Studentinnen getroffen, die ich erst eine Woche zuvor beim Mittagessen kennengelernt habe. Mit ihnen habe ich dann noch die Zeit am kleinen Strand von Fort-de-France verbracht. In l'Ânse à l'Âne angekommen war das Strandfest in vollem Gange: Bootrennen, Snacks, Tombola, etc. Abends haben wir uns das Konzert zusammen mit den Deutschen und allseits bekannten Zahnis angehört. Mein letztes Wochenende auf Martinique ging zuende und Edith und ich organisierten auf Hochtouren à la dernière minute noch Unterkünfte für unseren Urlaub auf Trinidad und Tobago. Montagnachmittag, gerade noch rechtzeitig von der Arbeit zurückgekommen, habe ich mir mit Jess und Maxime das Spiel Deutschland gegen Algerien angeschaut... und dadurch, dass Deutschland mit Erfolg aus dem Achtelfinale gegangen ist, ein Bier gewonnen! Mittwochmorgen stand noch eine "dégustation" (Rumprobe) bei J&M an (diesmal steht das J für Jess und M für Maxime, wir haben aber mal mit den beiden die Distillerie JM besichtigt). Am nächsten Abend haben alle Snacks für das Buffet an meinem Abschiedsabend vorbereitet; ich habe wieder meine bekannten Baguette-Ziegenkäse-Dattel-Häppchen gemacht und zum Nachtisch Ch'tiramisu und Brigadeiro (brasilianische Pralinen passend zur WM) vorbereitet. Es war ein richtig schöner Abend und ich war so gerührt, als Edith mir ein kleines Abschiedsgeschenk überreicht hat - nämlich ein Märchenbuch auf Créol und Französisch geschrieben, in denen jeder eine kleine Notiz hinterlassen hat. Auf meinem Rückflug werde ich es mir dann durchlesen. Dieser Abend wurde auch zum Anlass genutzt in Jojos Geburtstag reinzufeiern. So haben wir noch eine Weile am Strand zugebracht, bis Jojo nach Mitternacht seine Geschenke öffnen konnte. Am nächsten Tag, meinem letzten Praktikumstag, durfte ich früher gehen, da heute das Viertelfinale Deutschland - Frankreich stattfand. So ist unsere deutsche Truppe zum Strand in Schoelcher gefahren um sich dort das spannende Spiel anzuschauen. Nach dem Spiel konnten wir zufrieden am Strand entspannen und schnorcheln gehen. Diese Bucht finde ich so unglaublich schön, gut dass ich sie vor meiner Abfahrt noch kennenlernen durfte. Meinen letzten Abend auf Martinique haben wir bei Tom, einem deutschen Medizinstudenten, verbracht und noch ein letztes Mal gegrillt, bevor es am kommenden Morgen nach Trinidad und Tobago gehen sollte!
11.7.14 11:06
 


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