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Mein Praktikum in der Kinderchirurgie

Salut à tous, die Zeit verstreicht viel zu schnell und ich habe euch so viel noch nicht erzählt. Mein Praktikum läuft inzwischen auf Hochtouren; ich bin bereits in meiner vierten Woche angelangt. Vor gut vier Wochen sind mir noch viele Fragen im Kopf rumgeschwirrt: Wie wird meine Unterkunft sein? Werden Edith (meine Mitbewohnerin) und ich gut miteinander klarkommen? Schließlich haben wir nur einmal telefoniert und uns entschieden ein Bungalow zu teilen. Wie komme ich zum Praktikum bzw. von wo fahren Fähre und Bus ab? Gibt es Wasch- und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe? Wo muss ich mich am ersten Tag vorstellen? Letztlich ließen sich alle meine Fragen ziemlich schnell und unkompliziert beantworten. Man macht sich ja immer mehr Gedanken als nötig. Zur Zeit bin ich in der Kinderchirurgie tätig, die sowohl die Traumatologie als auch Neugeborenen-/Viszeralchirurgie umfasst. Das Team besteht aus dem "chef de service", einigen "praticiens hospitaliers", einer "interne" und vielen Kinderkrankenschwestern, die alle unglaublich aufgeschlossen und freundlich sind; insbesondere die Schwestern sind ganz herzlich und freuen sich immer, wenn ich mich darin versuche ein bisschen Créol zu sprechen. Schritt für Schritt kann ich mich immer mehr in den chirurgischen Alltag einbringen: Stationsvisite, Verbandswechsel, Gipswechsel, Röntgenbesprechung, Konsultationen und im OP. Es bringt total viel Spaß das theoretisch Erlernte endlich in die Praxis umzusetzen. Die Chirurgen bringen mir viel bei und im OP bin ich oft die erste Assistenz, wo ich immer viel erklärt bekomme. Die Ärzte sind sehr daran interessiert, mir was beizubringen und mir möglichst viel zu zeigen und freuen sich darüber, dass ich im Vergleich zu den anderen Studenten länger als nur eine Woche bei ihnen Praktikum machen kann. Im Nachhinein wäre ich gern länger in der Kinderchirurgie geblieben, da es sehr vielseitig ist und ich mich im Team richtig wohlfühle; ich freue mich aber auch schon und bin gespannt auf die kommenden Wochen in der Herzchirurgie!! Da ich morgens früh zu arbeiten anfange, bleibt mir meist sogar noch ein bisschen Zeit unseren Strand zu genießen. Bisher bin ich fast jeden Tag im Meer geschwommen, herrlich! Edith und ich sind in einem Bungalow an der Bucht "Anse à l'Âne" untergekommen. Die Fähre fährt direkt vom Strandsteg ab, was sehr praktisch ist. Auf die Fähre freue ich mich jeden morgen, auf die Busfahrt danach etwas weniger; dennoch gibt es Tag für Tag witzige Begegnungen und Gespräche. Die Menschen sind hier sehr aufgeschlossen und kommunikationsfreudig! Einige treffe ich immer wieder, sodass man sich gleich ein bisschen heimischer fühlt. Die Fahrt zum Krankenhaus dauert meist 1 1/4 Stunde, die Rückfahrt je nach Verkehrssituation 1 1/2 bis 2 Stunden. Das mag im ersten Moment etwas viel klingen, man muss aber bedenken, dass hier alles etwas gemütlicher läuft. Für die Fähre gibt es immerhin Abfahrtszeiten, für die Busse nicht wirklich. Gefühlsmäßig würde ich behaupten, sie kommen immer um eine bestimmte Uhrzeit, offiziell gibt es aber keine Zeitangaben, denn es wird einfach gewartet, gewartet und wieder gewartet. Am letzten Wochenende habe ich einen neuen Begriff gelernt: se tropicaliser. Das Warten ist neben den unzähligen Streiks, die es hier tagein und tagaus gibt, ein Teil davon. Aber mit der Zeit gewöhne ich mich daran und schließlich ist es ja nur vorübergehend. Inzwischen haben Edith und ich uns einen kleinen Freundeskreis aufgebaut, mit denen wir uns oft treffen. Dienstags gibt es bei uns am Strand immer einen Barbecue-Abend, der sich zu etablieren scheint. Letzten Mittwoch bin ich mit anderen PJlern zum ersten Mal Surfen gewesen, das hat Spaß gemacht!! Zugegebenermaßen war es auch ziemlich anstrengend, aber umso stolzer war ich, als ich fast bis zum Strand gesurft bin. Dann haben wir noch kréolisch gekocht: Dorade mit Limette, Süßkartoffeln, Tomatensalat und dazu Fruchtsalat aus tropischen Früchten. Für Fischliebhaber ist es hier das absolute Paradis! Letzte Woche waren wir bei Freunden zu einem "soirée" eingeladen, wo es - wie kann es auch anders sein - viel Rum gab. Ein Klassiker ist der sogenannte Ti-Punch, wobei mein Favourit Rum mit Passionsfrucht und Rohrzucker ist, sehr lecker! Ganz lecker sind auch neben "Poulet boucané" (gegrilltes Hähnchen) die sogenannten "Accras" (frittierte Fischkrapfen) und "Colombo" (Fleischcurry). Zudem bin ich auch ein großer Fan von Kochbananen geworden! Wusstet ihr, dass Bananen zu 40 % der Exporterlöse Martiniques beitragen und 80 % der in der Landwirtschaft Beschäftigten im Bananenanbau tätig sind? Dies und vieles mehr habe ich bei meinem letzten Ausflug in den Norden von Martinique gelernt, aber dazu wie immer später mehr in einem der kommenden Blogs.
14.6.14 02:56
 


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